Montag, 9. Mai 2011

 Wunschlos überfordert.

Wie oft hat man die Chance, eine Sternschnuppe zu sehen? Ich würde behaupten, dem Normalsterblichen bietet sich diese Möglichkeit nur alle Jubeljahre.
Nichtsahnend und nichts Böses denkend stand ich eben gerade draußen und blickte gen Himmel empor, als sich eine dieser besagten seltenen Gelegenheiten bot: Über mein Haupt hinweg flog eine Sternschnuppe.
Der geneigte Leser wird sich fragen: "Und? Hat er sich was gewünscht?" - und genau da liegt die Problematik des Ganzen: Mein kleines Herz ist derart vollgefüllt mit kleinen und großen Wünschen, dass ich lediglich verkrampft die Augen schließen und durch die zusammengebissenen Zähne zischen konnte: "Ein Wunsch! Verdammt, schnell, ein Wunsch!" Als ich mich letztendlich für einen meines Erachtens würdigen Wunsch entschieden hatte, kam ich auch - eine Hundertstelsekunde später! - zu der Einsicht, dass es nun eigentlich schon zu spät und die Wunschzeit vorüber sei. Los - stop - schade.
Vielleicht im nächsten Jubeljahr...?
Davon abgesehen muss ich dennoch zugeben, dass diese Nacht das ein oder andere Adjektiv verdient hat. Folgende Vorschläge möchte ich anbieten:
- kreativ
- inspirierend
- erkenntnisreich
- tränenreich

Soll heißen: Binnen drei Stunden habe ich - festhalten, meine Damen und Herren! - das Grundgerüst für viereinhalb Songs Texte aus meinem Herz und meinem Hirn herausgepresst. Und ich bin (bis jetzt) begeistert. Die Zeit wird näheres zeigen...


Bis dahin untertänigst, Ihr
Grabowski Von Der Rolle

floral

Donnerstag, 28. April 2011

 Die ungezählte Geliebte.

In zwei Stunden sieben Kippen und
die Beine (die nicht sind) am Bluten.
Mein Mund, ein Uhrwerk das nicht schläft
und das Warten auf die zwei Minuten.

Ich werde dafür Sorge tragen,
dass ihre Zahlen Dich nicht fressen.
Und hast Du auch kein' Platz auf dem Papier,
bist Du für mich alles, nur nicht vergessen.

Ich warte darauf und ich lebe dafür
und die hundertzwanzig Sekunden schenk ich Dir.
Ich, die Hand da über Deiner Seele...
...bis Du weg bist und ich weiterzähle.
Die Chance, kein Teil von dem zu sein.

In vier Stunden siebenhundert Menschen.
Viel zuviel Graphit auf dem Papier.
Für jede Seele einen Strich,
doch den ungezählten schenk ich Dir.

Und Du fehlst, weil ich Dich sah und
dann Lichter, die den Tag durchfluten.
Ein Griffel schweigt in meiner Faust -
und wieder warten auf die zwei Minuten.

Ich warte darauf und ich lebe dafür
und die hundertzwanzig Sekunden schenk ich Dir.
Ich, die Hand da über Deiner Seele...
...bis Du weg bist und ich weiterzähle.
Die Chance, kein Teil von dem zu sein.

Gestern und heute und bestimmt auch morgen,
auf meinem Posten, hier auf dieser Brücke,
kamen und kommen Momente geplanten Schweigens,
ruhender Stifte und gesenkter Blicke.

Ziviler Ungehorsam, weil ich glaube.
Der Blick zum Himmel, die Brust zum Kinn.
Ich, mich zwischen Dich und Zahlen werfend,
fühle endlich. Weil ich bin.
Deine Chance, kein Teil von dem zu sein.

©by Grabowski vdR, August 2009


"Muss ich es wirklich buchstabieren?" fragte Marcus Wiebusch einst auf der "Für uns nicht". Eigentlich bin ich kein ausgesprochener Freund davon, alles, was ich schreibe (und/oder veröffentliche) zu kommentieren (und/oder erklären). Nun, ich gebe zu, hier macht es Sinn.
Wie diejenigen, die mich kennen, sicherlich wissen, bin ich ein ausgesprochener Freund der Schriften Heinrich Bölls. Im Jahre 1949 schrieb der (meines Erachtens) wichtigste Vetreter der sogenannten Trümmerliteratur die Kurzgeschichte "An der Brücke" (zu finden im Buch "Wanderer, kommst Du nach Spa..." - oder über Google). Ich mag den Text - und er inspirierte mich letztendlich zu "Die ungezählte Geliebte".


Zum Weiterbilden:
www.heinrich-boell.de
Heinrich Böll bei Wikipedia.
Trümmerliteratur bei Wikipedia.
"Wanderer, kommst Du nach Spa..."

floral

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